Text von Karin Kotsch
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In Familien und Kindergärten sollte eine Vielzahl von Möglichkeiten, die den Erwerb von Sprache und Literaltität unterstützen, geboten werden. Eine literarisch anregende Umgebung bildet für Kinder die Grundlage für die Entwicklung der Schriftkultur.
Bei Kindern aus Familien mit Migrationshintergrund hat diese Entwicklung eine besondere Bedeutung: Kinder, die in ihrer Erstsprache reichhaltige Erfahrungen mit Literalität machen, können diese Erfahrungen auch für das Erlernen der Zweitsprache nutzen.
Damit Eltern die Schlüsselkompetenz „Literalität" ihrer Kinder gezielt fördern, ist es wichtig ihnen zu zeigen, welche Möglichkeiten sie nutzen können. Hier sei insbesondere das Medium Buch genannt, denn es kann im frühesten Kindesalter eingesetzt werden.
Die Erfahrung zeigt, das Eltern, als Sprachförderer wahrgenommen und geschätzt, eine weitaus positivere Einstellung gegenüber der Verwendung von Literatur haben, wenn sie erfahren, dass sie Prosodie/ Phonologie, Lexik /Semantik Syntax/Morphologie ganz nebenbei beim Kind fördern und ihnen so mit viel Vergnügen in vertrauter Zweisamkeit nahebringen, was für ihren Schulerfolg wichtig ist. Ziel ist es, das Bewusstsein für die elterliche Verantwortung bei der Entwicklung der Erstsprache zu wecken. Sie sind die Sprachexperten von Anfang an!
Die Unterstützung der Eltern ist aber nicht nur zu Hause in
der Familie notwendig, sondern auch im Kindergartenalltag.
Eltern sehen und erfahren was sie bewirken können, wenn sie ihre Fähigkeiten mit
einbringen. In vielen Migrantenfamilien gibt es Besonderheiten, die das Lesen
und den Umgang mit Schriftsprache erschweren. Oft haben sie selber in ihrer
Kindheit keine Bücher gehabt.
In manchen Kulturen ist die Erzähltradition weit verbreitet. Diese ist für den Spracherwerb der Kinder sehr bedeutsam. Bei dieser Tradition orientiert sich die Literalität nicht an der Schriftsprache oder gar der Verschriftlichung. Diese ist aber für Kinder, die in einer Welt mit der geschriebenen Sprache aufwachsen unabdingbar, damit sie später in der Schule und im Berufsleben zurechtkommen können.
Bei der Vermittlung der Schriftsprache durch (Kinder)-Bücher sollte man auch frühzeitig damit beginnen, mehrsprachige Literatur zu verwenden. Denn gerade für mehrsprachig aufwachsende Kinder ist es von Bedeutung, das sie Bücher in der Herkunftssprache und der deutschen Sprache sehen und vorgelesen bekommen. Die Schriftkultur der Herkunftssprache steht gleichermassen neben der Deutschen. Beide Sprachen werden wertgeschätzt. Interessant für Kinder ist es zu sehen, das Schriftkulturen ganz unterschiedliche Buchstaben haben. Das Bücher nicht nur in einer Richtung gelesen und geblättert werden!
Eltern, die mehrsprachige Kinderbücher kennenlernen nutzen häufig die Gelegenheit, erst einmal in der Herkunftssprache vorzulesen. Aber selbst diejenigen, die sich nicht so sicher sind beginnen nach und nach die Geschichte auch auf deutsch vorzulesen. So kommt ganz nebenbei der Synergieeffekt, das sie die sprachlichen Unsicherheiten überwinden.
Wenn dieser Schritt getan ist, kann man Eltern die sich trauen dazu ermuntern, Lesepaten in der Kindertageseinrichtung zu werden. In einer auf ihre Kenntnisse abgestimmten Schulung lernen sie, worauf sie beim Vorlesen achten sollten, wie sie Erzählen und Vorlesen für Kinder interessant gestalten, indem sie die Kinder aktiv in das Geschehen einbinden, nach welchen Kriterien sie Bücher auswählen und wie sie eine Vorleseeinheit vorbereiten können. Sie erfahren ebenso etwas über die Sprachentwicklung der Kinder im Alter von 0-4 Jahren und über den Zusammenhang der Entwicklung der Mehrsprachigkeit.
Wichtig ist aber für eine nachhaltige und mit Freude durchgeführte Vorlesestunde das die Lesepaten eine Person in der Einrichtung haben, die sie ansprechen können. Man sollte sie in der Verantwortung, die sie übernehmen nicht alleine lassen. Das kann schnell zu Überforderung und Unlust führen.
Dass (Bilder)-Bücher bei Kindern „gut“ ankommen, werden die Lesepaten sehr schnell erfahren. Bücher helfen Kindern etwas zu visualisieren, bei der Imagination, Antizipation, Identifikation und Projektion. Sie erfahren Empathie, lernen problemlösend zu denken und Perspektiven zu erarbeiten. Ausserdem schulen sie ihre Kreativität. Das alles trägt zur eigenen Selbstsicherheit bei. Wenn Elern das alles wissen, werden sie beginnen, Bücher zu lieben und das Vorlesen positiv zu besetzen!